Liebe Leser von „Suess.War.Gestern“,

ich heiße Carla und freue mich sehr, dass ich gefragt wurde, meine Erfahrung mit Zucker und zuckerfreier Ernährung hier zu veröffentlichen.
Bis zu meinem 30. Geburtstag war meine Gesundheit recht stabil.
Ich hatte schon viel mit meiner Ernährung experimentiert, besonders in Richtung vegan und Rohkost und
hatte damit auch einige kleinere gesundheitliche Probleme zumindest zeitweise lösen können, wie etwa Schlafstörungen. Andere Probleme verhielten sich etwas hartnäckiger,
dazu zählten vor allem ein ständiges Hungergefühl, Blutzuckerschwankungen bis hin zu
ernsthafter Unterzuckerung (Schweißausbrüche, Schwindel, Zittern, kurzzeitiger Verlust der Sehfähigkeit, weiche Knie, das Gefühl ohnmächtig zu werden),
Gewichtsschwankungen, Verdauungsprobleme, Akne, Keratose und Fibrome.
Dass sich dies auf das gesamte Wohlbefinden und die Lebensqualität auswirkt, brauche ich wohl
kaum zu erwähnen.
Immerhin: Durch Rohkost und vegan fand ich heraus, dass ich Gluten nicht vertrage und so arrangierte ich mich mit all den Unannehmlichkeiten. Es konnte ja schließlich nur an mir liegen, wenn es mir nicht gut ging. So wird einem das ja immer vermittelt, sowohl vom familiären Umfeld, das mir seit Jahren eine Essstörung attestierte, bis hin zu Ärzten,
die es eigentlich besser wissen sollten.
Nach dieser ersten Experimentierphase mit
meiner Ernährung blieb ich bei dem, was man wohl als gesund bezeichnen würde, wenn man es nicht besser weiß: Kohlenhydratlastig, zuckerhaltig (damit meine ich vor allem
die versteckten Zucker), viel Obst und Gemüse, hin und wieder Fleisch, kaum Eier und
Milchprodukte nur im Sommer.
Ich aß sehr viel mehr Grünzeug als andere und dennoch ging es mir immer schlechter.
Auch liest man ja immer wieder, dass man lieber 4-6 kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen soll. Auch daran hielt ich mich, um nicht zu unterzuckern, nur wusste ich bis dahin noch nicht so viel über Insulin, wie heute.
Am Morgen meines 30. Geburtstags wendete sich das Blatt – zum Schlechteren. Ich wurde von Schmerzen geweckt, die aus meiner linken Brust kamen. Sie war um locker zwei Körbchengrößen angeschwollen, rot und pulsierte. Ich konnte spüren, wie mein
Gewebe aufriss.
„Jetzt hast Du Krebs“, dachte ich damals und ging zum Arzt.
Krebs war es zwar nicht, aber ohne weitere Untersuchungen anzustellen, hieß seine Diagnose:
„Sie haben einen Tumor im Gehirn, der ist hormonell aktiv. Gehen Sie nach Hause und keinen Kaffee oder Schokolade mehr.“
Zu mehr Informationen ließ er sich nicht herab. Also googelte ich mich schlau. Krebs hatte ich erst einmal nicht zu befürchten, jedoch sollte mir eine mehrjährige unzureichende Behandlung seitens meiner Ärzte das Leben schwer machen.
Einige Zeit nach dieser Diagnose, gesellte sich ein neues Symptom hinzu, das eines meiner Leitsymptome wurde: Ich litt unter starken Fußschmerzen, die Sohlen meiner Füße kribbelten und brannten, als würde ich über heiße Nadeln laufen. Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich in einem Fotostudio und war viel auf den Beinen (in bequemen, flachen Schuhen wohlgemerkt). Es wurde so schlimm, dass ich morgens einige Zeit brauchte, um aufstehen zu können. Damit ging ich zum Orthopäden. Dieser röntgte
meine Füße. Das Ergebnis: Knick-Senk-Spreiz-Fuß mit Hallux und Arthrose links im Zehengelenk, beidseitiger Fersensporn.
„Das kommt davon, wenn man hohe Schuhe trägt“, schloss er seine Diagnose.
Immer schön alles auf den Patienten schieben. Dass ich keine hohen Schuhe trug, ließ er nicht gelten. Er verordnete mehrere Therapien, die ich selbst zahlen musste. Ein feines Geschäft für ihn, pro Sitzung (ca. 4 Minuten) 80 Euro.
Die Schmerzen wurden ein wenig besser, aber sie verschwanden nicht. Das ging mehrere Jahre so, bis ich im Oktober 2017 sowohl meine Frauenärztin, die mich wegen
meiner Hormone behandelte, und meinen Orthopäden zur Rede stellte.
Meine Frauenärztin fragte ich, warum ich seit sechs Jahren fast immer zur selben Zeit zu ihr in
die Praxis komme und mir ein starkes Medikament mit vielen Nebenwirkungen verschreiben lassen muss, aber das Problem nie gelöst wird. Mit einer Überweisung zur
Endokrinologin verließ ich die Praxis. Ein kleiner Hoffnungsschimmer. Vielleicht war es ja Hashimoto. Das würde auch meine heftige Gewichtszunahme erklären, trotz
intensivem Sport-Programm und Low-Fat-Ernährung.
Fast gleichzeitig fragte ich meinen Orthopäden, warum die teuren Therapien nicht anschlugen. Er hatte darauf eine ganz einfache Erklärung:
„Das ist alles psychisch bei
Ihnen.“
Dieser Satz brachte das Fass zum Überlaufen. Nach einem kurzen und heftigen Wortgefecht verließ ich wütend die Praxis und bin seit dem bei einem anderen Orthopäden. Die angeblich profunde Untersuchung bei der Endokrinologin brachte überhaupt nichts zutage: „Sie haben PMS, damit müssen Sie leben.“ Ich sollte mir einen eisenhaltigen
Zuckersirup in der Apotheke besorgen und eine Kur damit machen. Außerdem sollte ich regelmäßig zur Blutabnahme erscheinen. Ich war niedergeschmettert und beschloss,
eine Lösung zu finden, nur wusste ich noch nicht wie.
Der glückliche Zufall kam mir ein paar Monate später zur Hilfe in Form des YouTube-Algorithmus, der mir Videos vorschlug, die sich mit kohlenhydratarmer (damit ist auch
zuckerfrei oder zuckerarm gemeint) Ernährung befassten.
Zunächst war ich sehr skeptisch, schließlich hatte ich schon viel ausprobiert. Allerdings ging es mir damals so schlecht, dass ich auch nichts zu verlieren hatte. So ließ ich mich darauf ein.
Nach 3 Tagen ging es mir besser und nach zehn Tagen erlebte ich zwei kleine Wunder:
Ich ging an einem Nachmittag 5,2 km und war am nächsten Morgen schmerzfrei. Erst danach las ich mich richtig in das Thema ein und wieder kam mir der YouTube-Algorithmus zur Hilfe und schlug das richtige Video vor, in dem ein Arzt aus den USA über Schmerzen im Fuß und Diabetes sprach.
Das war wohl der größte Aha-Moment in meinem Leben: Ich hatte einen versteckte Diabetes und meine Fußschmerzen stammten
vom diabetischen Fußsyndrom.
Mein hormonelles Problem hing vermutlich ebenfalls mit meinem viel zu hohen Insulin-Spiegel zusammen und die Lösung für alles ist ganz
einfach: Eine strenge Low-Carb-Ernährung (ketogen) mit ein bisschen Intervallfasten.
Nach zwei Monaten war ich schmerzfrei.
Mein hormonelles Problem von einem niemals vorhandenen Hirntumor ist nicht mehr da. Etwa 5 Monate später fand ich eine Spezialistin, bei der ich einen Zuckerbelastungstest machen konnte, und nun habe ich das Ergebnis schwarz auf weiß.
Wer sich ketogen ernährt, nimmt per se kaum Zucker zu sich. Anfangs habe ich noch Süßstoff verwendet, aber dann fand ich heraus, dass dieser Fruktose enthält, was bei
jemandem wie mir keine besonders gute Wahl ist. Diesen habe ich dann ausgetauscht durch Stevia. Auch Zuckerersatzstoffe meide ich, wenn ich kann, denn ich bin davon überzeugt, dass sie ebenfalls eine Wirkung im Körper haben, nur wurde dies bisher zu wenig erforscht. Was aber wichtiger zu sein scheint, als der Ausschluss eines einzelnen Stoffes, scheint der Fokus auf das Insulin, nicht auf den Blutzuckerspiegel. Denn dieser kann durch einen erhöhten Insulinspiegel überdeckt werden. Insulin kann außerdem für
entzündliche Prozesse sorgen und wirkt anabol, es baut also auf. Manche erklären das Auftreten von Fibromen damit, aber vor allem den Aufbau von Fettgewebe.
Über die Zusammenhänge von Hyperinsulinämie (zu viel Insulin) und schweren Erkrankungen
wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Krebs, wird derzeit noch viel geforscht. Es deutet aber vieles darauf hin, dass zu viel Zucker (und zwar in jeder Form) dabei einen
Einfluss haben kann. Wir dürfen also gespannt sein.
Für mich steht jedenfalls fest, dass auch wenn ich heute symptomfrei lebe, ich nicht wieder so essen werde, wie zuvor: mit Kohlenhydraten, wenig Fett, vegan, viel Obst und
Zucker. So, wie man eben hierzulande isst. Die Ergebnisse, die ich mit vergleichsweise wenig Aufwand erzielt habe, haben mich überzeugt.
Auf meinem Weg bin ich so vielen
Menschen begegnet, die Ähnliches erlebt haben und das hat mich darin bestärkt, meine
Geschichte aufzuschreiben und zu veröffentlichen.
Ich freue mich so sehr, dass ich auch hier meine Geschichte erzählen darf, um möglichst viele Menschen, die wie ich Jahrzehnte als versteckte Diabetiker leben, zu erreichen und
ihnen Mut zu machen. Vielen Dank!
Ein Jahr nachdem ich meine Ernährung umgestellt habe, ist nun auch meine Website
dazu online. Wenn du mehr über Insulinresistenz, meine Geschichte und meine Ernährung lernen möchtest, dann findest du mich unter lifesugar.de. Auf Instagram findest
du mich unter@lifesugarblog, dort poste ich regelmäßig Neuigkeiten und Informationen über zuckerfreie und Low-Carb-Ernährung, Insulinresistenz, Diabetes und allem, was von dieser Thematik berührt wird. Schau doch mal vorbei, vielleicht kannst du etwas für dich mitnehmen.